Dieses Bild war nie geplant – und wurde zum Grundstein von ShaevisArt.
- victoriasavor
- 25. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Aug.
Manchmal entsteht etwas genau dann, wenn man aufhört, danach zu suchen.
Dieses Bild war ursprünglich überhaupt nicht als etwas Besonderes gedacht. Es war ein privater Auftrag aus 2023, der unter Zeitdruck entstand – und genau dieser Auftrag sollte später zum Ausgangspunkt für etwas werden, das heute einen großen Teil von ShaevisArt ausmacht.
Der Kunde suchte etwas „Künstlerisches“.
Ich saß auf der Couch, das iPad in der Hand, und versuchte zu zeichnen. Verschiedene Stile, Farben, Ansätze. Alles war für die Tonne. Je mehr ich ausprobierte, desto weniger wusste ich, was ich eigentlich machen wollte. Mein Kopf war leer und gleichzeitig vollkommen überladen.

Als Designer ist es eine ständige Herausforderung, sich von solchen Momenten nicht unterkriegen zu lassen. Meine Devise lautet normalerweise: „Okay, jetzt einfach machen.“ Also griff ich nach einer Vorlage für einen Kopf und begann, grob mit Linien zu skizzieren. „Oh Gott, ist das hässlich.“ Das war ungefähr mein erster Gedanke. UND auch mein zweiter und dritter.
Doch mit jeder weiteren Linie veränderte sich etwas. Ich hörte auf, darüber nachzudenken, wie ein Gesicht aussehen sollte, und auch die Suche nach perfekten Proportionen, Referenzen oder einem bestimmten Stil wurde plötzlich unwichtig. Die Zeit wurde knapp – also zeichnete ich einfach.
Kantige Formen trafen auf weiche Linien, etwas Verspieltes auf etwas Schweres. Ich wusste selbst nicht genau, was ich da eigentlich machte. Aber irgendwann legte ich den Kopf zur Seite und dachte: Warte mal. Da ist etwas.
Der Kunde entschied sich am Ende trotzdem für etwas deutlich Standardisierteres und wollte nichts „zu Künstlerisches“, obwohl er genau das ursprünglich gesucht hatte. Das Leben als Designerin. Kunden wollen immer was "Aufregendes", "Frisches", "Modernes". Nur um sich am Ende für etwas zu entscheiden, das überhaupt nichts damit zu tun hat.
Die Illustration geriet zunächst in Vergessenheit. Für mich war sie damit eigentlich erledigt. Dachte ich zumindest.
Monate später verspürte ich wieder den Drang, etwas Neues zu schaffen. Etwas Freies. Etwas, das nicht funktionieren, verkaufen oder einen bestimmten Zweck erfüllen musste. Denn bis dahin war Zeichnen für mich lange Zeit vor allem eines gewesen: Arbeit. Längst kein Hobby, was kein Geld brauchte war Zeitverschwendung.
Seit Jahren betrieb ich einen Shop, in dem ich personalisierte Porträts verkaufte. Ich zeichnete für Kunden, erfüllte Wünsche und arbeitete an Aufträgen. Aber dieses Bild war anders. Es war das erste Mal, dass ich nicht versucht hatte, einen bestimmten Stil zu treffen. Ich hatte einfach gemacht.
Ich schaute in mein illustriertes Tagebuch – das einzige Stück, das in den vergangenen Jahren ohne Auftrag, Erwartung oder Ziel entstanden war. Dort hatte ich Ereignisse, Ängste, Gefühle und Wut verarbeitet. Dinge, die irgendwo in meinem Kopf herumlagen und einen Ausdruck brauchten.
Und plötzlich verstand ich, was ich da eigentlich gefunden hatte: nicht den perfekten Stil, sondern meinen Stil.
Ich begann, die Formen weiterzuentwickeln. Die Linien wurden bewusster, die Figuren charakteristischer, die Bildsprache eigener. Aus einem einzelnen Versuch wurde eine neue Art zu zeichnen – und irgendwann wurde daraus ShaevisArt, wie ihr es heute seht.
Wenn ich heute auf dieses erste Bild zurückblicke, muss ich fast lachen. Es ist nicht perfekt und sollte es auch nie sein. Aber genau das macht es für mich so besonders.
Denn manchmal ist der wichtigste Schritt nicht der, bei dem man bereits weiß, wohin man will. Manchmal ist es der Moment, in dem man einfach losläuft und erst später merkt, dass man gerade den Anfang von etwas Neuem gemacht hat.
Und die Frage, die man sich manchmal stellt: Was wäre, wenn der Kunde nie so etwas von mir verlangt hätte?
Guess we never know.


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